Ich bin ein feiges Schwein

by on

Ich habe es satt, unter Leute zu sitzen, die schwul immer noch als Bezeichnung für etwas Minderwertiges benutzen und ich mir zum x-ten mal den Kopf darüber zerbreche, was das für meinen Sohn bedeutet, wenn er sich seiner sexuellen Vorlieben bewusst wird und es sein sollte, dass er sich in einen Burschen verliebt.

Ich habe die Nase gestrichen voll von den kleinen sexistischen Witzen, den spitzen Bemerkungen und den Gehässigkeiten in Richtung Frauen und ich fühle mich sehr unwohl, wenn diese verlegen darüber zu kichern beginnen.

Mir gehen die kleinen Männer so massiv auf den Arsch, die denken, wenn sie mir erzählen, wie dumm nicht die restliche Welt ist, wie sehr sie diesen oder jenen zur Schnecke gemacht haben – ja, machen mussten – irgendwer muss es ja machen, und dabei denken, sie würden dadurch größer, wichtiger, stärker, männlicher.

Ihr, die ihr nur das Eigene feiert – nur das was ich mag ist gut, alles andere ist im besten Fall lächerlich – worauf gründet eure Überheblichkeit?

Und dann noch die Eltern, die denken, wenn sie ihre Kinder maßregeln und ihnen dies und das verbieten, sie wie kleine Dummchen behandeln und sie belächeln, macht sie das zum Alphaweibchen, zum Alphamännchen. Ich verachte euch.

Und zuletzt zu mir. Ich bin ein feiges Schwein. Denn bevor ich den Schwulensager kontere, die verbal angegriffene Frau verteidige, den kleinen Mann in die Schranken weise, zu Augeschlossenheit aufrufe und den Kindern zurufe, sie sollen sich nicht ihren Spaß verderben lassen, mach ich mir noch ein Bier auf und hoffe, dass ich morgen alles vergessen habe. Denn schließlich sind es ja Freunde. Ich bin der Verachtenswerteste von ihnen allen.

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