Was ist denn schon authentisch?!
- Mai 14, 2012 - by Alex Nowak, in Social Media, Social Media Marketing (SMM), with 2 comments -
Ich persönlich habe mit dem Begriff "Authentizität" nie sehr viel anfangen können. Meiner Meinung beschreibt er das genaue Gegenteil von dem, was damit erreicht werden soll.
Schlägt man “authentisch” im Wiktionary nach, findet man dort die Definition
hinsichtlich der Echtheit gesichert
und als Anwendungsbeispiel den Satz
Du wirkst beim Lügen authentisch.
Geht Ihnen dabei schon ein Licht auf? Nein?
Diese gebtesmühlenartig immer und immer wieder heraufbeschworene Authentizität soll verhindern, dass wir beim Lügen ertappt werden. Authentizität hat nichts mit dem zu tun, wie wir sind und wie wir tatsächlich reden, uns anziehen und aussehen. Authentizität ist ein Wort, das einen künstlichen Zustand beschreibt.
Sie müssen authentisch kommunizieren
Würde zu mir jemand sagen, ich solle authentisch kommunizieren, wäre Folgendes mein Gedankengang.
Der meint ich soll so kommunizieren, als wäre ich ich selbst. Wenn er das sagt, denkt er, ich wäre nicht ich selbst oder nicht in der Lage, so zu reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Das heißt, ich muss anders reden und schreiben als ich eigentlich bin, um meinem Publikum den Eindruck zu vermitteln, das ich bin, wie ich eigentlich bin.
Ähm, war das jetzt zu kompliziert? Kein Wunder, meine Gedankengänge sind selbst für mich oft etwas schwer zu begreifen. Aber ich weiß, dass ich mit dieser Auffassung nicht alleine bin und viele, die diesen Begriff schon einmal an den Kopf geworfen bekamen, werden wissen, wovon ich rede.
Denn es ist ja paradox, einer Person zu sagen, sie solle so tun, als wäre sie sie selbst.
Eine andere Auffassung von Authentizität ist nicht weniger künstlich.
Sie sind ein Superheld
OK, jeder ist ein Superheld, das steht ausser Frage (das meine ich ernst, ist aber ein anderes Thema). Aber das lassen wir jetzt mal kurz ausser Acht, denn hinsichtlich der Authentizität meinen viele Personen oder Unternehmen, sie müssten ein Universum erfinden, in dessen Mittelpunkt sie glänzen und leuchten können, wie der hellste Stern am Himmel.
Das ist wirklich nicht notwendig. Sie wollen ja keine Fans und Follower, die sich in Ihre Berühmtheit verlieben, sondern ein Publikum, das von Ihrer Idee überzeugt ist und diese so gut findet, dass sie mit anderen darüber reden.
Das Allerschlimmste
Am furchtbarsten finde ich, wenn in der Strategie eines Unternehmens festgehalten wird, dass der Auftritt und die Kommunikation authentisch wirken müssen und für alle Beteiligten ist es dann auch schon erledigt. Es ist niedergeschrieben, verschwindet in einem Ordner und aus. Was heißt, ich wirke nicht echt? Da steht’s doch!
ODER
im Briefing zu einem Projekt:”Es ist sehr wichtig, dass unsere Unternehmenskommunikation als authentisch wahrgenommen wird – Sie machen das schon!”
Also, doch nicht authentisch?
Nein, Sie sollen nicht authentisch wirken und auch nicht authentisch kommunizieren. Sie sollen echt sein. Wenn Sie ein Idiot sind, müssen Sie an Ihrer Persönlichkeit arbeiten, nicht so tun, als wären Sie keiner. Menschen wollen mit echten Menschen reden. Menschen wollen echte menschliche Gefühle. Wenn Sie etwas Scheiße finden, dann sagen Sie das, verdammt nochmal!
WARNUNG: Tun Sie das nicht immer und ständig und seien Sie dabei nicht unhöflich! Das nervt sehr schnell.
Und wenn Sie etwas gut und toll finden, dann schwärmen sie davon. Zeigen Sie her, was Sie interessiert. Zeigen Sie, dass Sie nicht nur der Unternehmer sind, sondern ein Mensch mit Interessen und Emotionen und trennen Sie den beruflichen und privaten Bereich nur grob, was den gesprochenen Ton angeht. Wenn das nicht zusammenpasst, halten Sie das erstens nicht lange durch und zweitens merkt Ihr Publikum das auch umgehend.
Wenn Sie Kaffeemaschinen reparieren, heißt das nicht, dass Sie sich nur für Kaffee und Mahlgetriebe interessieren dürfen. Sie sind Star Wars Fan? (Nerd!;)) Dann kommen Sie auf die dunkle Seite der Frühstückstasse. Was hat für Sie mehr Pfiff?
“Die Firma Röster repariert schnell und zuverlässig.”
oder
Wovor haben Sie Angst?
Was die meisten Menschen davon abhält, zu reden und zu schreiben, wie sie empfinden, ist die Angst, damit auf die Nase zu fallen. Es gibt wenig, das so verletzt, als wenn die eigene Überzeugung und man selbst nicht gemocht oder vielleicht sogar in den Dreck gezogen wird. Davor haben wir alle Angst.
Dazu gibt es aber absolut keinen Grund. Wenn Sie jemand nicht mag oder sich mit Ihren Ideen nicht anfreunden kann, dann wird er gehen. Vielleicht hinterlässt er noch ein paar ärgerliche Zeilen aber das wars auch schon. Viele andere werden bleiben. Das ist auch gut so. Sie können nicht erwarten (und auch nicht wollen), dass Sie jeder gleich gerne mag. Man wird geliebt und gehasst, gemocht und gemieden, so ist das bei uns Menschen.
Anders ist das bei Kritik an Ihrer Dienstleistung oder Ihrem Produkt. Diese Kritik ist, gerade im Social Web, immer sehr ernst zu nehmen.
Echt & Unverwechselbar
Ich weiß schon, dass meistens das Richtige gemeint ist, wenn man Authentizität verlangt oder vorschlägt aber oft ist dieses Wort eben nur eine leere Hülle für einen Zustand, der leider nicht selbstverständlich ist.
Sie müssen selbst kommunizieren. Gerade, wenn Sie ein kleines Unternehmen haben, müssen Sie das selbst machen. Lassen Sie das bloß keine Agentur für sich übernehmen. Fachleute können Ihnen helfen, die richtige Richtung zu finden und Sie immer wieder (auch regelmäßig) unterstützen, Ihnen Tipps und Tricks zeigen. Reden müssen Sie schon selbst und das so, wie Sie sind. Denn nur das kann ECHT SEIN und das unverwechselbare an Ihnen, sind schließlich Sie selbst.
Merken Sie sich, dass Sie die Menschen ansprechen wollen, die sich nicht nur für Ihr Produkt interessieren, sondern auch für Ihre Meinung und Ihre Weltanschauung. Für alle anderen gibt es andere Produkte!
Eigentlich ganz einfach, oder?

