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Das ewige Reden über das Reden

- November 27, 2012 - by , in Social Media , with 1 comment -

Nur, weil ich immer wieder betone, wie wichtig für mich der Dialog ist, macht mich das nicht zu einem guten Gesprächspartner.

Jetzt mal im Ernst. Fällt euch das nicht auf? Das ständige Reden über das Reden, die ständige Forderung nach einer Unterhaltung, einem Dialog in diesem oder jenem Kanal, macht keine Unterhaltung aus.

Überaus langweilig

Wenn euch tatsächlich so viel daran liegt, euch mit euren Fans und Followern zu unterhalten, dann tut das doch einfach. Ihr müsst das nicht extra hervorheben.

“Aber ich bin doch zu jeder Diskussion bereit.” – Super, solltest du auch sein.

“Von alleine kommt aber kein Gespräch zustande.” – Naja, dann machst du irgendetwas falsch.

Vielleicht bist du einfach langweilig. Entschuldige, ich meine nicht dich persönlich. Vielleicht ist das, was du postest, schreibst oder sonst wie von dir gibst, einfach nicht interessant für die Leute, die sich auf deinen Kanälen tummeln. Was wiederum bedeuten kann:

a) Du hast dich um die falschen Fans bemüht.

b) Du hast keine Ahnung, was deine Leute interessiert.

c) Die haben das schon 14 mal an anderer Stelle gelesen.

Ein guter Gesprächspartner

Aber was macht einen guten Gesprächspartner wirklich aus? Angenommen, ich bin auf einer Party (diese Analogie ist auch schon etwas überstrapaziert…) und sehe mich um. Mit wem würde ich gerne plaudern?

Zuerst suche ich mal nach einer Person, die ich ansatzweise kenne. Ist mir diese Person sympathisch? Teile ich Themen oder Interessen mit ihr?

Wenn ich beide Fragen mit ja beantworten kann, hab ich meinen Gesprächspartner für die nächste Stunde gefunden. Yippi! Ist mir die Person nicht sympathisch aber ich kann etwas fachsimpeln mit ihr, wird sich auch ein Gespräch ergeben. Alle anderen Ja/Nein oder Nein/Nein Kombinationen werden wahrscheinlich zu keiner angeregten Plauderei führen.

Wenn du erwartest, dass man sich mit dir unterhält, musst du dafür sorgen, dass man dich kennt und weiß, wo deine Vorlieben und Interessen liegen und wie du dich zu relevanten Themen positionierst.

Ein schlechter Gesprächspartner

A= Seitenbetreiber

B-Z = Fans

A: “Ich habe 300 Blogartikel gefunden, in denen jede SoMe Plattform mit der anderen verglichen wird. Lasst uns darüber reden, denn Unterhaltung ist so unglaublich wichtig!” (Überspitzt? Nein, leider nicht.)

B: “Ja, auf jeden Fall, lass uns darüber reden!” (erhält ein Like vom Seitenbetreiber)

C: “Ich finde den Artikel sehr interessant, in dem behauptet wird, dass [...]”

A: ” Super. Das ist Social Media. Hier unterhalten wir uns, weil wir es verstehen. Lass uns darüber reden, lieber C.”

C: “Ja, dann lass uns darüber reden.”

A: “Genau, denn der Dialog ist ja so wichtig.”

B bis Z: “…”

Call-to-conversation

Verarscht eure Fans nicht. Wenn ihr euch wirklich mit euren Leuten unterhalten wollt, dann sagt ihnen ganz genau, worüber ihr gerne plaudern würdet. Macht euer Posting zu einem Call-to-conversation.

Weißt du, dass es wesentlich schwieriger ist, auf eine Frage zu antworten, als seine Meinung niederzuschreiben? Antworte ich auf eine Frage, muss ich die Frage verstanden haben UND eine Antwort darauf parat haben.

“Findet ihr, dass eine FB Seite mit ihren Fans plaudern muss?” Naja, schwierige Frage….und schon komme ich vom 100sten ins 1000ste und bevor eine ellenlange Antwort abgebe, lösche ich sie vielleicht wieder.

“Ich finde nicht, dass jede FB Seite der Welt mit ihren Fans reden muss – es reicht zu kommunizieren.”

Zu jeder Meinung gibt es eine Gegenmeinung und die findet man wesentlich schneller, als eine Antwort auf eine Frage. Fans wollen Meinungen lesen, deine Meinung, darum sind sie Fans und sie wollen ihre Meinung kundtun und respektiert wissen. Manche wollen sich auch an dir reiben (im übertragenen Sinn!) und damit deine und ihre Meinung auf den Prüfstand stellen.

Nicht jedes Posting muss ein Ausdruck davon sein, dass du  viel theoretisches Wissen über Social Media gesammelt hast. Viel mehr solltest du deinen Kunden zeigen, dass du verstanden hast, diese Kanäle für sie zu nutzen.

Nicht jedes Posting muss einen Sturm an Reaktionen bringen.

Nicht jeder ist jederzeit in Plauderlaune.

An die Großen

Keine Angst. Wir wissen, dass ihr nicht könnt/dürft/wollt. Ich will mich ohnehin nicht mit meinem Rasierschaum oder meiner Zahnpasta unterhalten. Das ist doch eigenartig, oder? Macht weiterhin Werbung, das passt besser zu euch. Aber verlangt bitte nicht, dass diese Werbung ein supertolles Engagement in der Kernzielgruppe auslöst.

An die Kleinen

Ich will mich auch nicht mit meinem Proktologen auf Facebook unterhalten. Echt nicht. Das heißt aber nicht, dass ich nicht gerne Informationen zu Prostatakrebs hätte.

An alle

Wenn Unterhaltungen nicht euer Ding sind, sucht nach anderen Wegen der Kommunikation. Sexy ist ohnehin das Gegenteil von “reden” – nämlich das, was ohne Worte passiert.

Aber hört bitte auf zu beteuern, dass ihr so gerne mit euren Fans reden möchtet.

Alex Nowak

Bachelor of Multimedia Arts, Hons. | Webdeveloper | Social Media Manager | Online Marketing Stratege - einfach alles, was Spaß macht. Alex schreibt viel über Social Media und worauf es seiner Meinung nach ankommt. Bullshit-free & foul-mouthed kann es rüber kommen, aber die Wahrheit hat viele Gesichter ;)

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  • bernd klaus achter

    “Nicht jedes Posting muss ein Ausdruck davon sein, dass du viel
    theoretisches Wissen über Social Media gesammelt hast. Viel mehr
    solltest du deinen Kunden zeigen, dass du verstanden hast, diese Kanäle
    für sie zu nutzen.”
    Eines jener Zitate bzw. eine jener Formulierungen, die sich viele sogenannter SoMe-Manager und -Spezialisten hinter die Löffel schreiben sollten.

    Und wenn Ihr keine Löffel habt, seid Ihr keine Hasen-Philosophen.

    Spaß beiseite: Danke, Alex, ein toller Beitrag zu so manchen Unsitten im SoMe Wesen. #ilike

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