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Monat: August 2015

Das Leben ist ein Hund

Mein Name ist Alexander Nowak. Ich wiege momentan 110 kg, vor 8 Jahren hatte ich noch 20 kg weniger auf den Rippen – keine Ahnung, wie das passieren konnte. Das ist natürlich gelogen. Ich weiß ganz genau, wie das passiert ist, wenn ich meine Essgewohnheiten der letzten Jahre betrachte.

Solche Veränderungen geschehen schleichend. Meine Güte, ein bisschen mehr als ein Kilo pro Semester…das fällt doch keinem auf. Ausser man versucht sich in die Hose zu zwängen, die man sich vor 2 Jahren gekauft hat und die bedauerlicher Weise beim Waschen enorm eingegangen sein muss.

Heute ist mein Geburtstag, ich werde 40 Jahre alt. Ich habe auch keine Ahnung, wie DAS passieren konnte. Die Fakten sind klar. Ich wurde am 8. August 1975 geboren, im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts und bin seither nicht gestorben und es ist Letzteres, das mich am meisten verwundert. Es hätte genügend Chancen gegeben aber es hat eben nicht sein sollen.

Philip Seymour Hoffman
Philip Seymour Hoffman

 

Sicher, es hat immer viele Menschen gegeben, die weit risikobereiter gelebt haben als ich. Heroin war beispielsweise nie eine Option für mich und für Meth fühle ich mich einfach schon zu alt, Gott sei Dank!

40 Jahre. Als 15jähriger Bursche war ich mir sicher, dass ich nie so alt werden würde. Mit 19 Jahren war ich zu sehr damit beschäftigt, mich vor dem 20. Geburtstag zu fürchten und danach war ich mir sicher, hirnschwanger von Neil Young und Kurt Cobain, dass ich meinen 30er nie feiern würde. Hey hey, my my.

Kurt Cobain
Kurt Cobain

In meinen 30ern fing ich an langsam erwachsen zu werden, ich dachte, das wäre notwendig um ein Kind zu erziehen, nur um es mir später wieder mühsam abzugewöhnen. Zumindest dieses „Erwachsen sein, um jeden Preis!“ ist schwachsinning. Was bringt es mir, meinem Kind zu zeigen, wie langweilig und stur ein Erwachsener sein kann, wenn ich mit diesem Verwachsensein verlerne, mit ihm Lego spielen und in seine Welt abtauchen zu können.

In meinen späten 30ern musste ich viel über mich selbst lernen und über das, was ich unter Freiheit verstehe und was Freiheit tatsächlich bedeutet. Ich weiß jetzt, dass es die Freiheit nicht gibt, dass man sich Freiheiten immer wieder nehmen muss und sich immer wieder nehmen darf.

Es gibt mir immer wieder ein großes Gefühl von Freiheit, wenn ich auf etwas verzichte. Ich verzichte beispielsweise unglaublich gerne auf Dinge, sobald ich erkenne, dass ich sie nur mache, weil ich glaube, dass sie von mir verlangt würden.

Ich verzichte darauf, mir über manche Dinge Gedanken zu machen.

Ich verzichte darauf, seriös zu sein, mich meinem Alter entsprechend zu benehmen (was auch immer das heißen soll) und Sinn zu ergeben.

Stop making sense
Talking Heads – Stop making sense

Ganz im Gegenteil. Ich bin gerade sehr bemüht darum, keinen Sinn zu ergeben. Das macht das Leben übrigens viel erträglicher und lustiger. Ich umgebe mich mit Dingen, die sinnfrei sind. Dinge, die andere nicht verstehen und immer wieder nach dem Sinn dahinter fragen – das muss doch verdammt noch mal einen Sinn haben.

Ich habe gelernt, wie ich mit den dunklen Wellen umgehe, die mich seit meiner Jugend umspülen und mich in regelmäßigen Abständen in den Abgrund eines bodenlosen Ozeans gerissen haben.

Ich habe gelernt, meinen inneren Kritiker als Troll zu enttarnen, der eigentlich ein super Kumpel sein kann, wenn man ihn nicht ernst nimmt und gut aufpasst, sich nicht von ihm verarschen zu lassen.

Trollface Problem?
Problem?

Ich habe 40 Jahre überlebt, das ist alles was zählt. Wahrscheinlich kommen noch weitere 40 Jahre dazu aber dann ist auch mal gut.

Interessant, wie wenig sich das Denken hinsichtlich Geburtstage verändert. Ich bin immer noch der Meinung zu wissen, welchen Geburtstag ich erlebe und welchen nicht.

Heute Abend ist Open House hier. Keiner ist eingeladen, alle dürfen kommen. Vielleicht feierst du ja mit. Wenn nicht hier, dann vielleicht irgendwo anders.

Wo immer du auch bist,  feier, trink ein Bier auf mich und habtSpaß, verwüste meinen (oder deinen) Heimatort, plündere und brandschatze mir zu Ehren, wenn dir der Sinn danach steht.

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